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Lucas Niggli - drums/percussion

Pressestimmen

Lucas Niggli Drum Quartet: Beat Bag Bohemia - Beckentürme wie Gebrigsketten17.09.2008 / Südkurier (D)
Lucas Niggli Drum Quartet: Beat Bag Bohemia
Beckentürme wie Gebrigsketten

Goethes Wort vom Streichquartett, man höre hier vier vernünftige Leute sich miteinander unterhalten, ließe sich auch auf das Lucas Niggli Drum Quartet übertragen. Nur dass außer der Vernunft auch noch eine Menge Ekstase am Werke ist. Eine aus spieltechnischer Vernunft und Präzision geborene Ekstase – die beste Voraussetzung, um den Funken der Musik aus der kreisförmigen Anordnung auf das Publikum überspringen zu lassen. Und genau das passiert an diesem
Abend, der mit buchstäblich großem Tamtam beginnt.

Das hat etwas von einem kultischen Ritual: vier Schlagzeuger sitzen im Kreis. Dem Publikum im Konstanzer Kulturzentrum präsentiert sich das Lucas Niggli Drum Quartet nicht wie bei Konzerten üblich, nämlich frontal, sondern bildet eine geschlossene Einheit. Die Musiker sind das Energiezentrum des Raums, um das sich das Publikum drumherum gruppiert. Die musikalische Kommunikation ist – zunächst einmal – nach innen gerichtet. Goethes Wort vom Streichquartett, man höre hier vier vernünftige Leute sich miteinander unterhalten, ließe sich auch auf das Lucas Niggli Drum Quartet übertragen. Nur dass außer der Vernunft auch noch eine Menge Ekstase am Werke ist. Eine aus spieltechnischer Vernunft und Präzision geborene Ekstase – die beste Voraussetzung, um den Funken der Musik aus der kreisförmigen Anordnung auf das Publikum überspringen zu lassen. Und genau das passiert an diesem
Abend, der mit buchstäblich großem Tamtam beginnt. Jeder der vier Musiker hat einen solch großen Gong im Rücken und zusammen erzeugen sie eine irisierende Klangfläche. Erst ganz allmählich schälen sich aus diesem akustischen Urgewitter die ersten Rhythmen heraus. Die Geburt des Pulses aus dem Klangkontinuum. Das Quartett um den Schweizer Percussionisten, der mit Formationen wie „Big Zoom“ in der Region wohlbekannt ist, besteht aus zwei afrikanischen und zwei Schweizer Musikern. Das verspricht reizvolle Kontraste, aber auch
Synergien – schließlich ist die Schweiz, wie das Booklet zur neuen CD „Beat Bag Bohemia“ (Intakt Records) vermerkt, gemessen an der Zahl der Schlagzeuger das afrikanischste Land Europas. Worum es an diesem bemerkenswerten Konzert des Jazzclub Konstanz allerdings gerade nicht geht, sind die Klischees afrikanischer Trommelmusik. Lucas Niggli hat die meisten Stücke für seine Truppe selbst komponiert und das Quartett spielt entsprechend
viel aus Noten. Freiraum für die einzelnen Musiker bleibt aber sehr wohl – und damit auch Gelegenheit, den eigenen individuellen Ton einzubringen. Der Südafrikaner Kesivan Naidoo
übernimmt dabei die Rolle des Jazz- Drummers vor einem klassischen Drum-Set. Peter Conradin Zumthor (Sohn des Architekten Peter Zumthor) und Lucas Niggli selbst haben Beckentürme wie Gebirgsketten vor sich aufgebaut und lieben das präzis ausgehörte Spiel mit gelegentlichem Hang zu liebevoll gepflegten Klangdetails. Rolando Lamussene aus Mozambique wiederum bringt als Spieler der afrikanischen Trommel Djembe und mit einem ganzen Arsenal weiterer Percussions-Instrumente die eigentlich exotischen Farben in die Musik. Aber eben ohne Exotismen! Eigentlich kann man nur staunen über die Stimmigkeit der perkussiven Farbkombinationen und Rhythmen, zu der diese vier doch eigentlich so unterschiedlichen Musiker finden. Das liegt sicherlich an der integrativen Kraft des Ensemblekopfes Niggli, aber auch an der Flexibilität der Musiker, die blitzschnell aufeinander reagieren und sich dabei als wahre Teamplayer entpuppen. Fantastisch, wie sie
ihr Spiel immer wieder im großen Rhythmus-Tutti zusammenführen – auch wenn dabei gelegentlich akustische Grenzen des Wolkensteinsaals erreicht werden –, dann wieder aufbrechen, eigene Wege gehen, wieder zusammenkommen. So bunt und abwechslungsreich kann reine Schlagzeug-Musik sein.

Elisabeth Schwind