10.10.2004 / NZZ am Sonntag
Lucas Niggli ZOOM Ensemble
Am 30. Oktober 2003 eröffnete der Ustermer Schlagzeuger, Bandleader und Komponist Lucas Niggli das fünfte Zürcher «Jazznojazz»-Festival in der Gessnerallee mit einem sechsteiligen Werk, das er im Auftrag der Kulturstiftung Pro Helvetia geschrieben hatte. Auf der Bühne standen neben seiner um den Stimmakrobaten Phil Minton erweiterten Band Zoom auch die Mitglieder des Ensembles Neue Musik Zürich.
Unmittelbar vor dieser Uraufführung war Niggli im SWR- Studio
Baden-Baden gewesen, um sein Opus einzuspielen; diese Aufnahme (und
nicht das Zürcher Konzert) liegt nun als CD vor. Sie zeigt den
quirligen Musiker einmal mehr als innovativen, zwischen Jazz, Rock und
moderner E-Musik mühelos hüpfenden Tonschöpfer, der das Wechselspiel
von ausgeschriebenen und improvisierten Passagen souverän beherrscht.
Die grosse Linie mag man in diesem postmodernen Puzzle vermissen, und
bisweilen kommt die Ambition der Lebhaftigkeit in die Quere. Doch lebt
das Werk, in dem etwa der Posaunist Nils Wogram und der Klarinettist
Claudio Puntin solieren, einerseits von der Fülle der Einfälle,
andererseits von der strukturierenden Kraft des Drummers, der gleichsam
Bleifassungen um die bunten Klangscherben legt.
Manfred Papst © NZZ am Sonntag; 10.10.2004
Manfred Papst