01.05.2005 / Jazzpodium (D)
Lucas Niggli ZOOM Ensemble
Ein aufregendes Hörerlebnis fürs Hirn. Und eine Wohltat für die Sinne.
Erst drei, dann fünf, jetzt elf: Lucas Nigglis "Zoom"-Projekte wachsen. Die ursprüngliche Triobesetzung mit Nils Wogram und Philipp Schaufelberger wurde mit Claudio Puntin und Peter Herbert zum "Big Zoom". Nun ist durch die Mitwirkung des Ensemble Neue Musik Zürich gar ein Zoom Ensemble daraus geworden. Dass mehr Mitwirkende auch eine musikalische Steigerung bedeuten, ist allerdings schwer möglich, denn bereits die erste Trio CD "Spawn Of Speed" hat eine Qualität, die kaum zu steigern ist.
Tatsächlich ist das großformatige Ensemble Projekt nicht besser als die
früheren Veröffentlichungen. Aber ebenso gut. Niggli verschmelzt seine
bewährte Jazzbesetzung mit einem klassischen Ensemble, ohne den
herkömmlichen Klassik-trifft-Jazz-Tonfall zu bemühen. Seine Musik hat
gerade in der großen Besetzung einen eigenen Klang, der sich noch am
ehesten irgendwo zwischen Heiner Goebbels und Carla Bley orten lässt.
Melodrame wie "No nations" mit Stimmberserker Phil Minton mögen an
Bleys Opernversuche erinnern, gemeinsame Improvisationen von Jazzern
und Klassikern gemahnen an Goebbels' Klangcollagen. Doch damit sind nur
Eckpunkte von Nigglis Kompositionen genannt, daneben speisen sie sich
noch von einer Unzahl weiterer Einflüsse von Rock bis Samba. Alles
zusammen ergibt ein mächtiges symphonisches Gebilde mit der Energie
rasanter Improvisationen und dem Charme von Popmusik: Ein aufregendes
Hörerlebnis fürs Hirn. Und eine Wohltat für die Sinne.
Stefan Arndt, Jazzpodium, Deutschland, Mai 2005
Stefan Arndt