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Lucas Niggli - drums/percussion

Pressestimmen

Lucas Niggli BIG ZOOM - Zu den beiden CDS ›Rough Ride‹ und Lucas Niggli Big Zoom ›Big Ball‹02.03.2003 / Bad Alchemy 42/2003
Lucas Niggli BIG ZOOM
Zu den beiden CDS ›Rough Ride‹ und Lucas Niggli Big Zoom ›Big Ball‹

Nichts ist Mache, alles ist nahtloser transparenter Zauber. Im kammerjazzigen Wechselspiel dreier nach allen Richtungen hin beweglicher Handkameras werden Schwerelosigkeit und ein Godard Feeling suggeriert.

Nach ihrem Studiodebut »pawn of Speed« (Intakt 067) zeigt die Wiederbegegnung mit LUCAS NIGGLI ZOOM das Trio des Schweizer Schlagwerkers mit seinem Landsmann Philipp Schaufelberger an der Gitarre und Nils Wogram an Posaune und Melodica nun auch live in Aktion. Rough Ride (Intakt 082) wurde im Mai bzw. August 2002 auf den Jazzfestivals in Schaffhausen und Saalfelden mitgeschnitten. 'Zoom' ist ein geläufiger Begriff in der Film- und Comic-Welt, zwei wesentlichen Inspirationsquellen für Musiker, die ausgangs des 20. Jahrhunderts auf der Höhe der Zeit sein wollten, mit John Zorn als quicksten Toonisten und Zapper. Niggli & Co. beherrschen die Tricks der Beschleunigung, des Schnitts und der Abkürzung, der Zurückfahrens und der Annäherung, der Ausschnittsvergrößerung, des Pars pro Toto und der Großaufnahme mit einer derart flüssigen Selbstverständlichkeit und Autonomie, dass die Technik ganz im Resultat, der Dynamisierung des Raumes (Panofsky), aufgeht. Nichts ist Mache, alles ist nahtloser, transparenter Zauber. Im kammerjazzigen Wechselspiel dreier nach allen Richtungen hin beweglicher Handkameras werden Schwerelosigkeit und ein Godard-Feeling suggeriert. Inwiefern dieser Ritt 'rough' sein soll, leuchtet mir, anders als bei Nigglis um einiges weniger handzahmen Band Steamboat Switzerland, nicht spontan ein. Die Gäule sind bestens zugeritten und finden ihren Weg in Englischen Gärten blind. Auch in der um den brillanten Klarinettisten Claudio Puntin und den Kontrabassisten Peter Herbert zu LUCAS NIGGLI BIG ZOOM erweiterten Quintettversion dominieren Transparenz und Leichfüßigkeit. Big Ball (Intakt 083), ebenfalls live entstanden, überwiegend am 1.9.2002 auf dem Jazzfestival Willisau, bekennt seine tänzerischen Vorlieben bereits mit Titeln wie 'Drei kleine Tänze' oder 'Space Waltz' und spielt mit 'Eine kleine Bop Musik' auf seine zwittrige Herkunft aus Alt-Europa und Neuer Welt an. Abgeklärtheit und Raffinesse mischen sich zu einer 'Between The Lines'-Ästhetik, die dem auf den Kopf gefallenen 'Zeitgenössischen' wieder auf swingende Füße zu helfen versucht, wobei der "kontrollierte Gestus der Neuen Musik", den Marcus Maida zurecht konstatiert, die kurzen Zügel führt. Um die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen, dazu fehlt freilich nicht nur solchen bürgerlichen Aufschwüngen ins Reich der Edelmenschen das Rezept. Es mag freilich sein, dass in solch zivilisierter Interaktion mehr gangbarer und wünschenswerter Modus vivendi angelegt ist, als in konfrontativeren Ansätzen, die dem eigenen Querschlägerimage besser schmeicheln. Meinen Frieden mit ECM, Winter & Winter und ähnlichen Pillendrehern fürs komfortable Leben im Falschen möchte ich mir dennoch für die Zeit nach der Verrentung oder nach der Revolution aufsparen.

Rigo Dittmann